Das Tagungsthema: Identität und Wandel

„Identität und Wandel“, dieses Thema bildet das inhaltliche Zentrum der dritten „Psychodynamischen Tage auf Langeoog“ in der Pfingstwoche 2018.

Das Gefühl, eine Identität zu haben, hat mit dem Erleben einer Kontinuität, sowohl körperlich als auch psychisch zu tun. Dieses Identitätsgefühl aufrecht zu erhalten, trotz der Veränderungen im Lebensverlauf, ist sicher eine außerordentliche psychische Leistung. Die Psychotherapie untersucht alle Formen flexibler und starrer Identitätsgestaltung. Es gibt Störungsbilder, deren vorherrschendes Symptom eine unterschiedlich aufgelockerte bis völlig zerfallene Identität ist. Auch im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich gilt: Gerade in Zeiten gesellschaftlichen Wandels und in Zeiten des Wachsens (z.B. der Adoleszenz) spielt die Identität den Menschen eine große Rolle.

Auch der Begriff der Identität selbst ist einem Wandel unterworfen: Frühere psychoanalytische Theorien stellten die Gleichheit und Kontinuität der Person über den Lebensverlauf in den Vordergrund. Heute wird Identität eher dynamisch als lebenslanges Projekt der Identitätsentwicklung in einem Raum zwischen psychischer Strukturbildung, intrapsychischen Konflikten und deren Lösungen und der äußeren gesellschaftlichen Wirklichkeit verstanden. Identität stellt immer die Schnittstelle dar zwischen Innen und Außen, zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenangeboten einerseits und der inneren Wirklichkeit mit Identifizierungen, Wünschen und unbewussten Phantasien andererseits.

In Vorträgen und Seminaren möchten die PdT Langeoog 2018 diesem Prozessgeschehen einen Raum vertiefter thematischer Reflexion bieten. Themen der Identitätsentwicklung und ihres Wandels werden entwicklungspsychologisch und geschlechtsspezifisch diskutiert, aber auch klinisch-psychotherapeutische Fragen nach den Störungen der Identitätsentwicklung und nach der Identität von Psychotherapeuten und Psychoanalytikern werden aufgeworfen. Wie schon in den Vorjahren soll ein psychodynamischer Beitrag zur Entwicklung von gesellschaftspolitisch relevanten Identitäten diskutiert werden – ein Beitrag, der helfen kann, politische Prozesse nicht nur zu verstehen, sondern auch im Sinne der „Lebenstriebe“ zu befördern.