Das Tagungsthema: Phantasie und Realität

Phantasie und Realität, innere psychische Welt und Außenwelt, dieses spannungsvolle psychoanalytische Paar bildet das inhaltliche Zentrum der zweiten „Psychodynamischen Tage auf Langeoog“ in der Pfingstwoche 2017.

Freud sah Phantasien an Triebe gebunden und damit als von Beginn des menschlichen Lebens vorhanden an. Die Psychoanalyse diene dazu, unbewusste Phantasien zu erschließen. Aber schon früh kam es zu der zentralen Frage der Beziehung zwischen dem Innen, der Phantasiewelt und dem Außen, der Realität. Obwohl Freud scheinbar die sogenannte Verführungstheorie verließ, blieb der Einfluss äußerer, insbesondere traumatischer Einflüsse auf die innere Welt umstritten und wird heute sicher stärker als früher als bedeutsam angesehen. Einerseits beeinflusst das Trauma psychische Prozesse und die Entwicklung psychischer Strukturen, andererseits haben massive innere, neurotische Konflikte und ihre Symptome erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Außenwelt. In einem intersubjektiv geprägten Diskurs wird die Psychoanalyse als Denktradition selbst zu einer konstruktivistischen Philosophie, zum Beispiel wenn Patient und Therapeut die Wahrheit allein in ihrem Dialog entwickeln. Unbestritten ist, Phantasien streben zum Ausdruck und damit zu einer Erscheinung, einer Inszenierung in der realen Welt. Um es mit Winnicott zu sagen: „In unserer inneren Realität wird der internalisierte Vater immerzu getötet, beraubt, verbannt und zerschnitten, und wir begrüßen es, wenn dieser internalisierte Vater durch einen wirklichen Menschen verkörpert wird, zu dessen Schutz wir beitragen können“ (1958, S. 241).

Ein weiterer Diskurs bezieht sich auf die Definition des Phantasiebegriffes in der Psychoanalyse. Während der Duden noch ganz klar Phantasie als Gegensatz zur Wirklichkeit definiert, ist die psychoanalytische Position nicht eindeutig. Im kleinianischen Denken sind bekanntlich die Phantasien der vordingliche Gegenstand des psychoanalytischen Interesses. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, dass damit visuelle Vorstellungen gemeint sind. Kleinianisch interpretiert, sind Phantasien höchst bedrohliche Körperempfindungen im Sinne somato-sensorischer Reaktionen. Entwicklungspsychologisch knüpft sich die zurzeit sehr kontrovers diskutierte Frage an, ob wir uns in der Psychodynamischen Psychotherapie auf das rekonstruierte „phantasierende“ Kind der klassischen Entwicklungspsychologien oder auf das beobachtete „reale“ Kind der Bindungstheorie und der psychoanalytisch inspirierten Säuglings- und Kleinkindforschung beziehen.

Noch einmal zurück zu Freud. Er schlug – nun schon vermittelnd – das Konzept einer psychischen Realität vor: Diese beruht auf dem unbewussten Wunsch und den daraus entstehenden Phantasien, welche wie die äußere Realität betrachtet und behandelt werden. Damit steht die Psychoanalyse bei Freud bereits zwischen einer „objektiven Realität“, einer materiellen Welt und einem von der äußeren Realität des Menschen unabhängigen Innenwelt. Sie bedient sich einer Vorstellung, dass das psychische Innenleben allenfalls eine „Anschauung“ der Realität ermöglicht, die der Wirklichkeit nahekommt.

Diese Zwischenposition einer spannungsvollen gegenseitigen Bedingtheit zwischen Phantasie und Realität findet sich auch bei Winnicotts intermediären Bereich, in dem Spiel, Illusion und Kreativität als Zustände zwischen äußerer und innerer Realität gelten oder bei den entwicklungspsychologisch, die Mentalisierung begründenden Theorien von Fonagy und Target, die in der Integrationsarbeit des Kindes, einerseits Phantasie und Realität gleich zu setzen und andererseits die Außenwelt phantasmatisch zu konstruieren, die wichtigste Voraussetzung zum Leben mit dem eigenen Inneren und in der Außenwelt sehen.

In Vorträgen und Seminaren werden Phantasie und Realität mit unterschiedlichen psychodynamischen Ansätzen und in den verschiedenen klinischen Feldern psychodynamischen Arbeitens diskutiert. Ziel ist dabei wieder die Förderung eines kreativen, qualitätsvollen Austausches der Teilnehmer, um zu erarbeiten, wo wir stehen, zwischen Phantasien und Realitäten.

Blättern Sie hier in dem neuen Programmheft, laden Sie es hier herunter (Rechtsklick - Ziel speichern unter) oder schicken Sie uns eine Mail mit Ihrer Anschrift - dann schicken wir es Ihnen zu.
Werbebanner von Bethanien

Werbebanner vom Restaurant Seekrug

Werbebanner von der Buddelei

Werbebanner von Seewohnen